2010 sollte es soweit sein, zumindest hatte ich mir das vorgenommen. Der erste Marathon muss her. Zunächst wollt ich diesen schon im Frühjahr beim OEM angehen, um dann den Zeitpunkt vernünftiger Weise doch nochmal in die zweite Jahreshälfte zu verschieben. Am Anfang des Jahres lief es durch einige Erkältungen einfach schlecht, was sogar zum DNF beim OEM-Halbmarathon führte. Die Entscheidung war also die richtige und nun hatte ich auch eine ordentliche Vorbereitungszeit. Denkste!
Geplant war nämlich noch eine geniale Auszeit (9 Wochen Elternzeit), die ich für einen längeren Urlaub mit der Familie intensiv nutzte. Dabei kam das Marathon-Training ziemlich kurz, auch wenn wir durchaus sportlich unterwegs waren (wandern, klettern, radfahren, usw.). Und eh ich mich versah, war auch schon Septemper, was eine Restvorbereitungszeit von ca. 5 Wochen bedeutete. Nicht wirklich viel. In Schweden hatte ich zusammen mit Sven meinen ersten 30+ Lauf absolviert und war danach, obwohl völlig fertig, guter Dinge. Das der eine lange Lauf nicht reicht war mir klar und so folgte zu Hause dann der zweite mit Sven und Lars, welcher komischerweise richtig schlecht lief. 3 Wochen vor dem 10.10. lief ich dann nochmal mit Lars 35 km und das gute Gefühl war wieder da.
Also machte ich mich am Samstag guter Dinge auf nach München und kam gegen 14 Uhr bei Freunden an, wo ich freundlicherweise kostenfrei übernachten konnte. Die Fahrt war auch relativ entspannend, da ich nicht selbst fahren mußte. Nach Ankunft legte ich mich zunächst für 2,5h zur Mittagsruhe. Schlafen ist doch das beste Tapering
Anschließung gab es als Marathonvorabendessen Pizza und gegen 22 Uhr lag ich auch schon im Bett. Erst konnte ich nicht wirklich einschlafen und schaute noch etwas auf dem Livestream vom Ironman Hawaii, um dann doch eine recht ruhige Nacht zu verbringen. Ich schlief verhältnismäßig gut, war aber trotzdem noch vor dem Weckerklingeln munter. Nach einem ordentlichem Frühstück lief ich gegen 7:30 Uhr zum Bus, um nach einer knappen Stunde Fahrt im Olympiastadion Lars zu treffen. Dort angekommen, packten wir unsere Sachen in einen Beutel und begaben uns in den Startbereich. Ab da trennten sich unsere Wege aufgrund unterschiedlicher Blockzuteilung. Während Lars im Block A 10 min früher auf die Strecke ging, stand ich im Startblock B für Läufer mit einem Zeitziel von 4+ Stunden. Ich bin diesmal komischer Weise überhaupt nicht aufgeregt. Das irritiert mich sogar selbst, sodass ich fast schon das Gefühl habe es auf die leichte Schippe zu nehmen. Das mental solche Events immer irgendwie meine Schwäche sind, weiß ich. Deswegen hab ich in letzter Zeit dazu im Netz einiges gelesen, um damit besser umzugehen. Vielleicht half es ja an dieser Stelle schon. Wer weiß!?
Pünktlich 10.10 Uhr (wie passend am 10.10.2010) fällt für mich bei herrlichem Laufwetter der Startschuss und da ich relativ weit vorn stehe, passiere ich schon nach 47 Sekunden den Startbereich. Wie immer gilt es die ersten Kilometer nicht zu schnell anzugehen. Vorgenommen hab ich mir ein Tempo zwischen 5:45 und 6:00 min pro Kilometer. Als die ersten Zuschauer am Streckenrand “vorbeifliegen” merke ich das das mit dem Starttempo wieder nicht so richtig hinhaut, denn auf der Uhr steht sogar kurzzeitig eine 4 vorn. Ich zügel mich und durchlaufe die ersten 5 km in 27:24 min. Das ist zwar immernoch zu schnell, aber es läuft. Wir befinden uns mittlerweile auf der Leopoldstraße und die Stimmung ist hier richtig klasse. Weiter gehts in Richtung Englischer Garten und schon sind auch die zweiten 5 km 27:06 min rum. Wieder flott, aber es läuft sehr gut und angenehm. Im Englischen Garten ist es relativ ruhig, denn es stehen nur vereinzelt Zuschauer an der Strecke. Den nächsten VP nutze ich und öffne vorher das erste Gel, um es dort dann mit einem ordentlichen Schluck Wasser runterzuspülen. Das 3 5 km Scheibchen durchlaufe ich in 27:30 min. Es läuft, auch wenn der Anstieg bei km16 mich etwas langsamer werden läßt. Mental läuft es auch, allerdings mache ich mir schon Gedanken, wie lange das noch anhält und wie ich die Stimmung möglichst im Positivem halten kann. Vor dem geistigen Auge spielt sich der Film mit dem Einlauf durchs Marathontor ab und läßt die Augen etwas wässriger werden. Nur nicht übertreiben, denk ich mir und passiere den nächsten 5er Block in 27:28 min. Das nächste Gel ist dran und geht mit genügend Wasser gut runter. Die Hälfte ist auch schnell geschafft und es geht langsam wieder in Richtung Stimmungsnester. Die 5 km laufe ich in 27:43 min. 25 km stehen aufe dem Tacho und ich fang an zu rechnen, ob auch noch eine Sub4 drin ist, verwerfe aber schnell die Gedanken, weil ich die letzten 7 Kilometer der Gesamtstrecke noch nicht kenne. Rechnerisch waren natürlich noch die 4 Stunden drin, aber mit meiner Einschätzung lag ich letztenendes doch richtig. Bis km30 wurde es schon schwerer und ich verlor in dem Abschnitt knapp 1,5 min im Vergleich zu den vorangegangenen 5 Kilometern. Aber mit 29:03 min lag ich noch immer unter einem 6er Schnitt. Ich merke nun, das ich dem Anfangstempo etwas Tribut zollen muss. Mittlerweile verläuft die Strecke wieder über die Leopoldstraße, von der es auf eine Schleife geht, die etwas an den Nerven zehrt. Während ich mich am Anfang bei etwa Kilometer 33 befinde, kommt mir Lars bei ca. km37 entgegen. Man sieht auch ihm an, das die Veranstaltung kein Kindergeburtstag ist. Dennoch reicht es für ein Abklatschen und für die nächsten Meter beflügelt mich das etwas. Ich nehm mir vor das nächste Scheibchen wieder irgendwie unter 30 min hinzubekommen, was mir mit einer Punktladung nur annähernd gelingt. Jetzt wirds schwer und ich muss richtig beißen. Ich schaue öfter auf die Uhr und sehe als aktuelle Pace vorn immer eine 6, was mich tierisch wurmt. Es muss doch möglich sein 10 km/h zu laufen!? Irgendwie muss ich jetzt die Kurve kriegen. Das Kopfkino ist wieder dran, um mich durch postive Gedanken ins Ziel zu tragen. Es hilft, aber es geht nicht schneller. Die Beine wollen das nicht mehr. Etwa bei Kilometer 38 muss ich zudem dringend mal Pinkeln. Da keine Dixies auffindbar sind, entscheide ich mich für einen kurzen Stopp am Straßenrand und nutze den dort, für mich passend, plazierten Baum. Sorry liebe Münchner, das ging nicht anders
Kurze Zeit später, zeigt mein Forerunner, erstmals einen zweistelligen Kilometerwert mit einer 4 vorn an und treibt mir ein fettes Grinsen ins Gesicht. Das wird auch durch den mit 36:50 min langsamsten 5 Km Abschnitt nicht getrübt. Auf gehts zum Endspurt vorbei am Startbereich Richtung Olympiastadion. Dort schallt es ziemlich nervig “Gebt nochmal alles, die letzten 12hundert Meter …” aus den Lautsprechern. Ich passiere das Marathontor und laufe die noch 300 m durch das Stadionrund. Es ist ein irre Gefühl und ich bin einfach nur glücklich. Ein paar Tränen kullern auch und ich genieße einfach den Moment bevor ich mich auf den Rasen begebe. Dort wartet Lars schon auf mich und wir beglückwünschen uns gegenseitig zur erbrachten Leistung. Er finishte schon nach 3:49:30 h.
Fazit
Es war ein tolles Erlebnis und ich werd es auf jeden Fall wieder tun. Woran ich feilen muss weiß ich auch. Die langen Läufe waren sicher zu wenig und werden nun öfter stattfinden. Ich freu mich auf den Nächsten, vielleicht im Januar als Team mit Lars und Sven.
Facts
- 42,195 km
- 4:11:03 h
- Pace 5:57 min








1. November 2010 um 17:40 Uhr
Hui, ist das lange her
Trotzdem nicht weniger herzlichen Glückwuunsch zu dem Marathon! Auch die Zeit kann sich sehen lassen, gerade wenn man die Vorbereitungszeit betrachtet. Da hast du noch einiges rausgeholt, super
1. November 2010 um 19:48 Uhr
Toll, super, Gratulation !
Auf der Bahn siehst du ja noch richtig frisch aus
1. November 2010 um 20:35 Uhr
Astrein! 4:11 für den ersten M kann sich aber echt sehen lassen. Ich werde es im September 2011 angehen…
1. November 2010 um 22:42 Uhr
nochmal Glückwunsch zum Finish, war mir klar das das nicht dein letzter war.
Mit dem Wissen was Dich erwartet, wird der nächste leichter
2. November 2010 um 12:27 Uhr
Yeah! Danke, daß Du den Bericht noch geschrieben hast! Es ist immer wieder schön, mit anderen ein Stück ihrer Strecke in Gedanken mitlaufen zu können. Für Deinen ersten Marathon finde ich, hast Du das gut gemacht. Feilen kannst Du noch so viel und so oft Du magst.
2. November 2010 um 19:37 Uhr
ja und nun stell Dir mal vor, was mit noch mehr Training passiert wäre.. gar nicht auszudenken
gratuliere auch nochmal zum Ersten!
LG
Christian
3. November 2010 um 16:16 Uhr
Herzlichen Glückwunsch zu dem tollen Lauf. War schön beim Lesen nochmal die Strecke zu erleben.
Und viel Spaß bei der Vorbereitung auf den nächsten!
11. November 2010 um 13:13 Uhr
Glückwunsch! 4:11h für’n ersten Marathon – das läßt ja noch einiges erahnen. Klasse!
Grüße aus Köln
Mario
23. November 2010 um 13:11 Uhr
Congratulations on your first marathon! I wish you many more to come!